Retrofit einer Strahlanlage in Finnland – Steuerungserneuerung für maximale Verfügbarkeit in der Geschossproduktion (2025)
Im Jahr 2025 führte Rau Automatisierung ein anspruchsvolles Steuerungsretrofit einer Strahlanlage in Finnland durch. Die Anlage ist Teil eines komplexen Linienverbunds zur Geschossproduktion und stellt einen zentralen Prozessschritt dar. Aufgrund veralteter Steuerungstechnik und steigender Produktionsanforderungen war die Verfügbarkeit der Anlage nicht mehr gewährleistet – ein Risiko, das der Betreiber nicht länger tragen konnte.
Insbesondere vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage im Russland-Ukraine-Konflikt mussten die Produktionskapazitäten der gesamten Linie gesteigert und stabilisiert werden. Parallel zur Errichtung einer neuen Produktionslinie sollte deshalb auch die bestehende Strahlanlage elektrotechnisch modernisiert werden.
Ausgangssituation: alte Siemens S5, fehlender Support & steigende Auslastung
Die Strahlanlage war über viele Jahre zuverlässig im Einsatz, jedoch:
- basierte die Steuerung auf einer veralteten Siemens S5,
- der ursprüngliche finnische Steuerungstechniker war seit fast zehn Jahren im Ruhestand,
- Dokumentation lag nur in teils unvollständigen Ordnern vor,
- Ersatzteile und Support waren praktisch nicht mehr verfügbar,
- die Produktionslinie musste deutlich höhere Stückzahlen bewältigen.
Diese Situation führte zu einem erhöhten Risiko für plötzliche Ausfälle – besonders kritisch in einem sicherheitsrelevanten Fertigungsprozess.
Projektziel: moderne Steuerungstechnik, nachhaltige Verfügbarkeit & Integration neuer Komponenten
Ziel des Retrofits war es:
- die Steuerungstechnik vollständig zu modernisieren,
- die Anlage fit für langfristige Produktionssteigerungen zu machen,
- einen neuen Beladeroboter sicherheitstechnisch einzubinden,
- mechanisch verschlissene Komponenten zu erneuern,
- die Sicherheitsarchitektur auf aktuelles Niveau zu bringen (Maschinenrichtlinie / funktionale Sicherheit).
Damit sollte die Altanlage technisch auf das Niveau der neuen Fertigungslinie gehoben werden.
Besondere Anforderungen: internationale Zusammenarbeit & komplexe Schnittstellen
Das Projekt umfasste eine Vielzahl an Schnittstellen und Abstimmungsprozessen:
- Koordination mit dem Endkunden in Finnland,
- Zusammenarbeit mit dem Maschinenhersteller in Deutschland,
- technische Schnittstellen mit dem neuen Beladeroboter,
- Berücksichtigung der gesteigerten Sicherheitsanforderungen,
- vollständige Neuverkabelung im laufenden Produktionsbetrieb (während Betriebsferien).
Hinzu kam die notwendige Überarbeitung der mechanischen Komponenten durch den Anlagenhersteller.
Unsere Umsetzung: neues Steuerungskonzept, neuer Schaltschrank & vollständige Neuverkabelung
Bestandsaufnahme & Planung vor Ort
Vor dem Umbau reiste unser Team nach Finnland, um:
- die Altanlage zu begutachten,
- sämtliche Dokumentation zu sichten,
- Optimierungswünsche aufzunehmen,
- die neuen Anforderungen an Sicherheit und Prozessführung zu definieren.
Schaltschrankkonstruktion in 3D & Fertigung
Basierend auf den gewonnenen Daten:
- wurde der neue Schaltschrank in EPLAN als vollständiges 3D-Modell konstruiert,
- nach Freigabe gefertigt und vollständig geprüft,
- für den Einbau vor Ort vorbereitet.
Softwareentwicklung auf Basis TIA Portal V19
Die neue Steuerungssoftware umfasste:
- vollständige Abbildung aller Anlagenabläufe,
- Integration aller Sicherheitsfunktionen nach aktuellen Normen,
- Schnittstellen zu Roboter, Fördertechnik und Prozessmodulen,
- Logging- und Diagnosefunktionen,
- klar strukturierte Visualisierung.
Demontage & Neuverkabelung in Finnland
Vor Ort wurde:
- der alte Schaltschrank vollständig demontiert,
- alle Klemmkästen geprüft und teilweise erneuert,
- die komplette Anlage neu verkabelt,
- neue Sensoren installiert,
- ein sauberer Anlagenübergang für den Programmierer vorbereitet (Antriebs- & I/O-Check).
Diese Phase wurde innerhalb von zwei Wochen in den Betriebsferien des Kunden umgesetzt.
Inbetriebnahme & Optimierung
Im Anschluss:
- spielte der Programmierer die vorbereitete Software ein,
- nahm die Anlage innerhalb einer Woche vollständig in Betrieb,
- optimierte die Abläufe im Zusammenspiel mit den anderen Gewerken,
- validierte die Funktion mit dem neuen Beladeroboter.
Fernwartung & digitale Unterstützung
In Abstimmung mit der IT-Sicherheit des Endkunden wurde ein Fernwartungssystem installiert, das:
- die Wiederanlaufphase aus der Ferne begleitete,
- spätere Ablauferweiterungen (z. B. Roboteranpassungen) ohne Vor-Ort-Einsatz ermöglichte,
- schnelle Reaktionszeiten gewährleistet.
Ergebnis & Kundennutzen: wieder voll verfügbar – und Basis für die neue Produktionslinie
Das Retrofit verlief reibungslos, die Anlage läuft seitdem stabil und wartungsarm. Besonders hervorzuheben:
- deutlich erhöhte Anlagenverfügbarkeit,
- moderne Siemens-Steuerungstechnik nach aktuellsten Normen,
- robuste und saubere Elektroinstallation,
- sichere Integration des neuen Beladeroboters,
- vollständige Dokumentation für zukünftige Änderungen,
- Fernwartungszugang für schnelle Unterstützung,
- Grundlage für den Schaltschrank der neuen Produktionslinie, die ebenfalls durch uns umgesetzt wird.
Der erfolgreiche Umbau war ausschlaggebend dafür, dass auch der Auftrag für die neue Linie an Rau Automatisierung vergeben wurde.
FAQ – Retrofit von Strahlanlagen & Produktionslinien in der Metallbearbeitung
Warum ist die Modernisierung einer alten Siemens S5-Steuerung dringend notwendig?
Weil es keine Ersatzteile, keinen Support und keine Sicherheitsnachweise nach aktuellen Normen mehr gibt.
Wie lange dauert ein kompletter Retrofit vor Ort?
Typisch 2–3 Wochen für Demontage, Neuverkabelung & Inbetriebnahme.
Kann ein Beladeroboter sicher in eine bestehende Altanlage integriert werden?
Ja – durch moderne Sicherheitsarchitektur, PROFINET/IO-Schnittstellen und korrekte Kopplung.
Ist Fernwartung bei sicherheitskritischen Anlagen möglich?
Ja – sofern sie IT-sicher umgesetzt und abgestimmt ist.